Deutscher Jungbulle, Färsenfleisch, Wagyu oder Angus Beef

Von Sebastian
26.07.2018

Hier kommt ein kleiner Leitfaden durch den Rindfleisch-Dschungel

Wer Radio hört, Fernsehen guckt, oder die Werbebroschüren in Zeitungen liest, dem wird immer wieder deutsches Jungbullen-Fleisch angepriesen. Suggeriert werden dabei natürlich junge, gesunde und kräftige, muskulöse Tiere, eben gute deutsche Qualität - aber ist das auch so?

Grundsätzlich unterscheidet man bei Rinderrassen in reine Fleischrassen und milchbetonte und Zweinutzungsrassen.
Bei Fleischrassen steht, wie der Name schon sagt, das Fleisch im Vordergrund. Diese Tiere werden mit dem eindeutigen Ziel sie zu schlachten gezüchtet. Solche Tieren haben durchschnittlich eine größere Muskulatur mit feineren Fleischfasern bzw. einer besseren Fleischstruktur. Sie entwickeln mehr intermuskuläres Fett (zwischen einzelnen Muskelpartien) sowie mehr intramuskuläres Fett (im Muskelgewebe eingelagert).
Meist entwickeln Rinder aus Fleischrassen auch einen besseren oder intensiveren Rindfleischgeschmack.

Bekannte Fleischrassen sind Red Angus, Black Angus, Limousin, Charolais, Galloway, Hereford, Blonde d'Aquitaine, Uckermärker oder Wagyu

Im Gegensatz dazu gibt es milchbetonte Rassen, also Rinder die gezüchtet werden um besonders viel Milch zu geben. Hierzu zählen Schwarzbunte und Rotbunte Rinder, wie wir sie hauptsächlich auf hiesigen Weiden haben.

Zweinutzungsrassen bilden demnach einen Kompromiss, sie sollen dazu in der Lage sein viel Milch zu geben, dabei aber auch eine schöne Fleischqualität und Masse zu bilden. Hier wäre ebenfalls das Fleckvieh, aber auch Gelbvieh und zB Glanrind zu nennen.

Man kann hieraus schon erkennen, dass die Bezeichnung "deutscher Jungbulle" erst einmal keinerlei Aussage über die Qualität zulässt. Hierunter können Tiere aller drei Kategorien fallen.

Um sich eine Meinung zu bilden, muss man wissen, dass in Deutschland hauptsächlich milchbetone und Zweinutzungsrassen gezüchtet werden. Das bedeutet auch, dass der größte Teil der deutschen Landwirte eher auf die Milch- als auf die Fleischproduktion hin ausgerichtet ist. Schlachten lässt wohl jeder Landwirt, aber das Hauptaugenmerk liegt eben auf der Milch.

Wenn jetzt ein Bulle geboren wird, kommt dieser meist schon nach 14-18 Monaten zur Schlachtung. Aufgrund der Rasse lassen sich oftmals keine hohen Fleischpreise erzielen und ein früher Schlachttermin ist wirtschaftlicher, da er Futter und somit auch Geld spart.
Ein solcher Jungbulle kann in der Zeit aber kaum Muskulatur und Fett aufbauen. Die resultierende Fleischqualität muss daher zwar nicht schlecht sein, von hoher Qualität kann aber auch nicht gesprochen werden. Es wird aber sicherlich auch immer positive Ausnahmen geben.

Kommen wir jetzt einmal zum Färsenfleisch. Als Färse werden erwachsene, weibliche Tiere bezeichnet. Hinsichtlich der Rasse mag es erst einmal keinen Unterschied zum Jungbullen geben, aber das Geschlecht macht schon etwas aus. Weibliche Tiere entwickeln die Muskulatur etwas langsamer, haben dabei aber aufgrund der Hormone eine andere Fleischstruktur. Außerdem hat das Fleisch weiblicher Tiere einen höheren Fettgehalt - somit auch mehr des wertvollen intramuskulären Fetts.
Ein kurzer Vergleich mit dem Menschensei erlaubt, denn schließlich gehören wir ebenso wie die Rinder zu den Säugetieren. Der BMI (Body Mass Index), ein Indikator für Körperfett, darf bei einer gesunden Frau höher sein, als bei einem Mann.

Mir persönlich ist aber auch Regionalität wichtig und das Vertrauen, dass die Tiere gut gehalten wurden, möglichst mit ausreichenden Weidezeiten und kurzen Transportwegen. Daher ist der größte Teil des Rindfleisches, welches ich verarbeite Färsenfleisch aus regionaler Zucht.
Ab und zu darf es natürlich auch einmal ein Stück aus den USA oder Irland sein, aber in Maßen.


Resumee
Man sollte beim Kauf von Rindfleisch also entweder darauf achten, dass man ausgewiesene Fleischrassen bekommt, wobei es natürlich auch innerhalb der Fleischrasen Unterschiede gibt, was hier aber zu weit führen würde, oder man greift zum Färsenfleisch.
Wir haben hier in Deutschland wirklich gutes Rindfleisch, allerdings nicht das, was uns die großen Erzeuger, Discounter und Supermärkte gerne mit dem deutschen Jungbullen vorgaukeln wollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Von Sebastian | 03.05.2018
Vom Entrecôte hat jeder schon einmal gehört, vom Ribeye ebenso, aber wo liegt der Unterschied? Gibt es überhaupt einen Unterschied? Außerdem möchte ich die Chance ergreifen ein paar Worte zu Fett, besonders zu intramuskulärem Fett zu sagen.
Von Sebastian | 21.05.2018
Der größte Teil des in Deutschland angebotenen Lammfleisches kommt wohl aus Australien - klar, dort gibt es viel Platz für große Herden und das Fleisch kann günstig produziert werden. Das Fleisch ist auch sicherlich nicht schlecht, allerdings kein Vergleich zu der Qualität, die wir im Norden unseres Landes bekommen können. Wer schon einmal an der friesischen Küste im Urlaub gewesen ist, wird die Herden sicherlich gesehen haben, auf den Deichen und auf den Wiesen direkt am Meer. Die Schafe leisten dort einen wertvollen Beitrag zur Deichpflege und bekommen auf diese Weise lange Weidezeiten. Frisches, saftiges grünes Gras und die salzige, gute Seeluft. So reift ein Produkt heran, das unter den Gourmets, nicht nur in Deutschland, sehr gefragt ist. Die Qualität von Salzwiesenlamm ist unvergleichlich, ein wahrer Genuss!
Von Sebastian | 30.12.2018
Burger rücken immer mehr aus dem reinen Fastfood Bereich heraus, werden aufwendiger vielseitiger und entwickeln sich so zu wahren Highlights. Hier will ich Euch zwei Rezepte vorstellen, mit denen man jederzeit glänzen kann - wie immer Schritt für Schritt mit vielen Fotos.

Angebote & News per E-Mail

Exklusive Angebote sichern

Newsletter abonnieren